"Terminologiesensitives Linking" auf der Grundlage einer pragmatischen Typologie des Definierens in Fachtexten

Ein wesentliches Kohärenzbildungsproblem bei der selektiven Fachtextrezeption ergibt sich dadurch, dass ein Rezipient in Bezug auf die Verwendung von Termini nicht entscheiden kann, welche spezifische Konzeptualisierung diesen von seiten des Autors zugrunde gelegt wurde.

Im Bereich "Terminologiesensitives Linking" entwickeln wir eine pragmatisch fundierte Methode, die es erlauben soll, Verwendungsinstanzen von Fachtermini mit Linkangeboten zu versehen, die den Rezipienten zu genau derjenigen Definition im Vortext führen, deren Kenntnis für eine korrekte Semantisierung des betreffenden Terminus in seinem aktuellen Kontext notwendig ist.

Hierzu wurden zunächst (automatisch auf der Grundlage einer Termliste zur Fachdomäne) sämtliche Termverwendungsinstanzen sowie (manuell) sämtliche definitorischen Textsegmente in den Demokorpus-Dokumenten annotiert. Anschließend wurden die gefundenen definitorischen Textsegmente auf der Grundlage einer pragmatischen Typologie vertexteter Definitionen typisiert. Diese Typologie geht aus von der Annahme, dass textuellen Repräsentationen von Definitionen seitens des Autors unterschiedliche Sprachhandlungsabsichten unterliegen können. Wir klassifizieren vertextete Definitionen daher nach Sprachhandlungstypen (kommissive versus assertive Typen und Subtypen), denen wir ein je spezifisches pragmatisches "Gewicht" zusprechen. Auf der Basis solcher Klassifizierungen ist es möglich, einem Rezipienten im Falle des Auftretens zweier oder mehrerer Definitionen zu einem Terminus in ein- und demselben Fachtext (automatisch auf der Grundlage von Gewichtungsregeln) genau diejenige Definition anhand eines Linkangebots zugänglich zu machen, von welcher wir auf Grundlage unserer Typologie annehmen, dass sie diejenige ist, nach welcher sich der Autor des Textes auch in seinem eigenen Sprachhandeln (sprich: bei seiner eigenen Verwendung des Terminus) richtet.

Ein Ziel der zweiten Projektphase ist es, die definitorischen Textsegmente auch automatisch aufzufinden. Dafür werden wir das Text-Mining-Tool »Knowledge Extractor« der Firma  TEMIS nutzen.

Siehe auch:

Erläuterung der zugrundegelegten Typologie:
Generierung von Linkangeboten zur Rekonstruktion terminologiebedingter Wissensvoraussetzungen (Projektpublikation; PDF 166 KB)
Überblick über über unseren Ansatz sowie die entsprechenden Projektarbeiten:

Annotation definitorischer Textsegmente und "terminologiesensitives Linking" (Arbeitsbericht; PDF 122 KB)

Annotationsschicht: Definitionen und Termverwendungsinstanzen (Dokumentation; PDF 216 KB)